Freiwilligendienst

Häh? Ein Freiwilligendienst darf Spass machen?

Bei uns soll er das sogar. Denn nur wenn wir aus ganzem Herzen handeln, leisten wir hochwertige Arbeit. Deshalb arbeiten wir mit dem lebensfrohen Dreiklang MENSCH, BILDUNG und KREATIVITÄT. So arbeiten wir nicht nur humanistisch, sondern auch humoristisch :-)  „Nimm Dir Zeit zu lachen — das ist die Musik der Seele!“

Wir arbeiten für diesen einen Moment…  jeden Tag!

 

Im Mittelpunkt unserer friedens- und entwicklungspolitischen Freiwilligendienste steht die Idee von wechselseitigem LERNEN und HELFEN.

LERNEN heißt: Wir wollen (insbesondere jungen) Menschen einen Ort des wechselseitigen, interkulturellen Lernens bieten, an dem sie wertvolle Erfahrungen sammeln, eigene kreative Ideen und Lösungsansätze ausprobieren, ein differenziertes Verständnis zu entwicklungspolitischen Fragestellungen erarbeiten, und einen aktiven Beitrag für mehr Gerechtigkeit und Frieden leisten können – gemäß dem Motto „miteinander leben – voneinander lernen“. Daher kann der Einsatz auch alsLerndienst bzw. soziales Jugendbildungsjahr bezeichnet werden.

 

HELFEN heißt: Der Freiwilligendienst soll bedürftigen und benachteiligten Menschen möglichst sinnvoll, unmittelbar und nachhaltig helfen (Verbesserung der Lebensumstände, Bildung, Armutsbekämpfung, Friedensarbeit, Hilfe zur Selbsthilfe, etc.). Der Freiwilligendienst soll möglichst eine Entlastung – in keinem Fall aber eine Belastung – für das Sozialprojekt bzw. die Einsatzstelle sein (Evaluation). Als Einsatzstellen kommen möglichst vorbildliche Sozialprojekte an der Basis in Frage, die einen klaren Bedarf für Mitarbeit und eine Kompetenz zu Anleitung und Betreuung haben.



– Mitarbeit in (möglichst) vorbildlichen Sozialprojekten an der Basis
– Zielgruppen sind meist Kinder und Jugendliche (Strassenkinder, Waisen, Behinderte, Aids-Kranke, Arme, etc).
– Sozialpraktische Arbeit (unmittelbarer Kontakt mit benachteiligten Menschen)
– Wir leben und lernen an der Basis: Wir teilen die Lebenswirklichkeit der Menschen. Einfach leben! (im doppelten Sinn)
– Unsere FW wohnen meist zu zweit oder zu dritt in WGs mitten im bunten Leben ihres Einsatzlandes
– Bildung als Schlüssel, um den Teufelskreis der Armut zu durchbrechen
– Sinnvolle Freizeitgestaltung für Kinder, um Werte wie Respekt, Teamgeist und Fairness zu vermitteln


– Dauer: 13 Monate
– 35 Wochenstunden in Sozialprojekten an der Basis, plus 5 Stunden als Multiplikator
– Du bekommst ca. 34  Bildungstage (Vorbereitung, On-Arrival-Training, Zwischentreffen, Nachtreffen)
– 24 Urlaubstage
– Pädagogisch-psychologische Begleitung durch Fachkräfte
– ehrenamtliches Mentorennetzwerk
– Tutoring durch Ehemalige (Länder-Koordinatoren)
–  partizipativer Ansatz: Mitgestaltung der Freiwilligendienste durch unsere Freiwilligen
– hohe Selbstverantwortung

Finanzielles: Dein Freiwilligendienst für 13 Monate kostet insgesamt ca. 10 200€, dazu zählen Flugkosten, Unterkunft, Verpflegung, monatliches Taschengeld von mindestens 100€, Seminarkosten. Der Frewilligendienst wird zu 75% vom staatlichen Förderprogramm „weltwärts“ gefördert (http://www.weltwaerts.de/de/). Die restlichen 25% (ca. 3200€ pro Einsatz) wollen und müssen wir durch einen Mix aus Unterstützerkreisen, gemeinsamen Soli-Aktionen und Dauerspendern unseres Vereins finanzieren. Wir wollen von Dir also nicht einen bestimmten Geldbetrag sehen, sondern eine deutliche Anstrengung: Gemeinsam wollen und müssen wir es packen! Wir haben keine Kirche oder Stiftung im Rücken und müssen dieses Ziel gemeinsam erarbeiten. Deswegen möchten wir, dass Du einen persönlichen Unterstützerkreis aufbaust mit möglichst vielen Spendern. Es gilt das Soliprinzip.

 

Für alle weiteren Fragen lest euch die FAQ vom letzten Jahrgang durch (Achtung: einige Daten sind nicht aktuell!!!):

FAQ_Häufig_gestellte_Fragen_von_Bewerbern_2015_final

 


Ein Freiwilligendienst hat nicht nur Sonnenseiten. Sei Dir deshalb auch bitte über folgende möglicherweise „negativen“ Aspekte bewußt:
1.) Du wirst eine steile Lernkuve durchlaufen müssen und Dich zeitweise überfordert fühlen („Welcome to Crisis Zone!“)
2.) Es wird Tiefpunkte geben und auch punktuelle Enttäuschungen: Du wirst eine Menge Frustrationstoleranz brauchen!
3.) Andere Länder, andere Sitten. Vieles in der fremden Kultur wird Dir erstmal seltsam vorkommen. Die Gefahr ist, dass Du schnell in Stereotype abgleiten willst („Die Latinos sind alle unpünktlich!“)
4.) Es bleiben immer Restrisiken (Autounfall, Naturkatastrophe, Überfall, Bürgerkrieg, etc.)
5.) Es braucht Zeit bis man Freunde findet.
6.) Keine Rose ohne Dornen. Wir arbeiten und leben mit der Realität wie wir sie vor Ort vorfinden. Darüber jammern bringt nichts; entscheidend ist, was wir anpacken und positiv verändern können. Wer nach Ghana will, muss sich mit dem Thema Malaria beschäftigen; wer in eine Regen-Region geht, muss mit leichtem Schimmelpilz an Wänden in vielen Häusern rechnen. Das heißt nicht, dass wir Malaria oder Schimmelpilz verharmlosen wollen, aber: Informiert Euch bei unseren Ehemaligen (Euren Vorgängern) über die tatsächlichen Lebensumstände vor Ort. Wenn Du dir diese nicht zutraust, dann lass es bitte sein.

6.) Basisnahe Projekte sind niemals perfekt: Die einheimischen Mitarbeiter sind schlecht bezahlt und deshalb selten hochquaziert; die Ausstattung der Projekte ist ärmlich und der Arbeitsalltag bietet Dir selten den voll-strukturierten Ablauf eines deutschen Sozialprojektes (Du wirst Dich manchmal „etwas in der Luft hängend“ fühlen — und mehrere Monate brauchen, bis Du sinnvoll integriert bist => auch deshalb sprechen wir von LERNdienst und NICHT von Entwicklungsdienst!). Eigen-Initiative, Selbstdisziplin, Hilfsbereitschaft und Improvisationstalent sind Grundvoraussetzungen. Wir wollen ganz bewußt basisnah leben und arbeiten und akzeptieren erstmal die Realität, wie wir sie vor Ort antreffen. Wer dazu nicht bereit ist, wird sich mit unserem Konzept schwer tun. In Theorie fallen uns natürlich immer 100 Dinge ein, die besser laufen könnten. Entscheidend ist aber, was wir gemeinsam tun, um die Situation zu verbessern.


   
 Eva in Südafrika  Bildung in Bolivien  Frieden in Chiappas  Alex in St. Petersburg

Bitte beschäftige Dich vor einer Bewerbung auch mit den möglichen allgemeinen Kritikpunkten an internationalen Freiwilligendiensten. Diese sind:

– —Umweltverschmutzung: CO2 – Ausstoss durch Deinen Interkontinental-Flug
– —Koloniale Strukturen werden teilweise reproduziert!
– —Stereotype und Vorurteile können gestärkt werden: Vorsicht vor den Bildern im Kopf!
– Aspekte von Critical Whiteness und DE-Kolonisierung
– 
—Einbahnstraße ist ungerecht! Es wäre fair, z.B. auch bolivianischen Jugendlichen einen FWD in Deutschland zu ermöglichen (REVERSE-Programm!)
–  —Du bist ungelernt (keine Fachkraft) und hast anfangs sprachliche und kulturelle Verständigungsschwierigkeiten
– —Du entfremdest Dich von Deinen bisherigen Freunden!
–  Es wird anstrengend & unbequem (wenig Zeit, um nach dem Abi zu chillen)
–  Es bleiben gewisse —Gefahren & Rest-Risiken
– —Erfahrungen können Dich aus dem Tritt bringen (Loch nach Rückkehr; Ungerechtigkeit in der Welt)
– 
—Kinder bauen eine Beziehung zu Dir auf! Dann gehst Du wieder! (nach einem Jahr)

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Beim Zwischenseminar in Bolivien entstand folgendes witziges Video: 

 

Vorbereitungsseminar (16 Tage) mit super interessantem Programm und tollen Referenten, u.a.:

Andreas Zumach (Vordenker der Friedensbewegung und UN-Korrespondent), Xaver Kienle (Leiter des Behindertenzentrums Stuttgart, Workshop „Umgang mit Behinderten“), die Pädagogen Sabine Gundert (zur musikalischen Früherziehung und Alphabetisierung von Kleinkindern) und Hans Bühler (Pädagogische Hochschule Weinheim; Afrika-Experte), Karsten Eichenseher (Brennpunktsozialarbeit); Heike Milanoumi (Friedensarbeit mit Puppentheater); die Pädagogin und Supervisorin Sibille Heller (fid); die erfahrene Entwicklungshelfer Alexander Solyga („Entwicklungshilfe zum Anfassen“ / DED) und Carmen Schickinger (KfW/GTZ); der Mediations- und Deeskalationstrainer Roland Straube, die Gesundheitsberaterin Bettina Rusche (Ernährung und Gesundheit), die Spanischlehrerin Isabel Gabilondo (Impuls-Sprachkurs), die chilenische Pädagogin und Psychologin Paulina Cordero („interkulturelles Lernen“), der Musiklehrer Philipp Backhaus (FW-Chor und Band), der Zauberlehrer Dr. Dieter Arnold (Workshop „Kindern ein Lächeln zaubern!“), der Gründer der Mobilen Schule Arnoud Raskin (Belgien); den Ausbilder im Bereich Interkulturelle Kommunikation Leonel Brug (Königliches Institut der Niederlande); sowie der Clownslehrer Kalle Pawlitschko (Berlin / Clowns ohne Grenzen), der Theaterlehrer Nacho (COMPA/ Bolivien) und der argentinische Sozialclown Nanny Cogorno aus Buenos Aires. Auch ein Tropenmediziner, ein Studienberater („wie geht’s nach der Rückkehr weiter?“) und eine Erlebnispädagogin werden wieder mit von der Partie sein.

 

Wir legen großen Wert auf eine gründliche Vorbereitung unserer Freiwilligen nach folgendem Konzept:

 

“You can’t stop the waves, but you can learn how to surf”        

–       Kick-Off & wechselseitiges Kennenlernen im Gesamt-Jahrgang. Begrüßung und Vorstellung des Teams, alle Teilnehmer stellen sich auf eine Deutschlandkarte vor und auf und nennen 3 Wissenswerte Dinge über sich (wobei eines gelogen sein sollte und die anderen Teilnehmer es im Verlauf des Seminars herausfinden sollten).

–       Buntes Buffet: Aptapi. Jeder durfte etwas Selbstgekochtes mitbringen und in bolivianischer Tradition mit der Gemeinschaft teilen. Wie immer, ein wunderbares Erlebnis der Gemeinschaft!

–       Bienvenidos! Welcome! Willkommen! Kennenlernen in den Ländergruppen. Erstes Beschnuppern in den Ländergruppen. VT-Programm besprechen. Spiele und gemütliches Beisammensein.

–       „Zur Sache, Schätzchen!“  Worum es beim entwicklungspolitischen FWD wirklich geht: Lernen – Helfen – Transferieren. Plus: Grundlagen erfolgreicher Zusammenarbeit. Common Ground, Regeln; Rechte und Pflichten als FW. Vorstellung der Arbeitskreise (AKs) und der Möglichkeiten der Partizipation und Selbstverwaltung (z.B. Wahl der Ländersprecher und Jahrgangssprecher).

–       Gruppendynamische Spiele. Energizer, Namensspiele und Ice-Breaker (z.B. Lach-Quadrat und Krebs-Spiel, siehe unten). Brainstorming der Teilnehmer für den kreativen Aktionstag. Plus: Spiele-Erfindungs-Olympiade nach dem Motto: „Not macht erfinderisch!“

–       Wie ticken meine Mitfreiwilligen? Wechselseitige Interviews der Teilnehmer über Ziele, Hobbys, Talente, Lebensträume, Macken, Sorgen und Einstellungen zu spezifischen Themen (z.B. Entwicklungspolitik); Speed-Dating, NAB-Kleingruppen, Themenzentrierte Interaktion und Kugellager.

–       Medizinische Grundlagen für FW: Die 10 Gebote der Hygiene, Vorsorge und Gesundheit.  wichtige Informationen zu Infektionskrankheiten, insbesondere zur Prävention und zur gesunden Lebensführung (u.a. gesunde Ernährung, Trinkwasser, genügend Schlaf, Sport, Abhärtung, etc.).

–       Reiseapotheke. Dr. Wolfgang Richter (Apotheker aus Darmstadt). Jeder FW bekommt im Rahmen unserer Notfallvorsorge eine kleine Reiseapotheke mit den wichtigsten Dingen zur Erstversorgung im Notfall.

–       Freizeit und Sport. Fußball-, Basket-, Volleyball-Turnier. Die Spiele Neu-FW in Länder-Teams gegen Ehemalige sorgten für viel Spaß und einen tollen Teamgeist.

–       Infoblocks in den jeweiligen Ländergruppen: Vertiefende Infos zu Land, Projekten, Kultur und Alltag. Bilder-Präsentationen von Ex-Freiwilligen. Betonung von Pleiten, Pech und Pannen – statt Heldengeschichten: Der Freiwilligendienst als eine tägliche Herausforderung… 

–       Bildungsblöcke (90-Minuten Stationen): Einführung in die interkulturelle Kommunikation & die Kommunikations-Ebenen nach Schulz von Thun, Versicherung, Rechtliches & Administratives; sowie Einführung in eine ökologisch und ethisch nachhaltige Form der Landwirtschaft nach dem Demeter-Konzept am praktischen Muster-Beispiel des Dottenfelder Hofs (mit Führung durch Ställe und Hof). Auch unser Ernährungskonzept lehnte sich an dieses Konzept an: regional, saisonal, fair, biologisch-ökologisch und Vollwert.

Einführung in eine nicht-rassistische Perspektive der Entwicklungszusammenarbeit (Vorstellung der Konzepte von Critical Whiteness und White Awareness; das Dilemma „Gut gemeint“ versus „gut gemacht“; Partnerschaft statt Patenschaft: Von der klassischen Entwicklungshilfe zur Entwicklungszusammenarbeit auf Augenhöhe, etc.)

–       Open University. Unsere bewährte Methode zum wechselseitigen Lernen: Jeder, der will, durfte hier einen 45-minütigen Workshop anbieten oder selbst an den anderen Angeboten teilnehmen: Tango-Tanzkurs, Clownerien, Zaubertricks, Gewaltfreie Kommunikation, Judo und Selbstverteidigung für Mädchen, Erste-Hilfe, Wizzard, Arabische Kulturregeln, Männer-Ballett, etc. Das Schöne an der OPEN UNIVERSITY ist immer wieder: Jeder entscheidet selbst, was er lernen will …

Wechselseitiges Lernen bei der Open-University: Argentinien-FW Mike beim Tango-Kurs mit Palästina-FW Elisbeth; FW beim Graffiti-Workshop, beim Kleinkinder-Bastel-Workshop und beim witzigen Männer-Ballett-Flashmob vor dem Deutschen Bundestag (VT I).

–       Die letzten beiden Tage des VT II sind Ländergruppen-Tage  und finden in den jeweiligen Länder-Teams statt. Sie werden von den Länderkoordinatoren (LKs) moderiert und stehen ganz im Zeichen der länderspezifischen Vorbereitung. So werden wechselseitig Impuls-Referate gehalten (jeder durfte sein Wunsch-Thema vorbereiten, präsentieren und zur Diskussion stellen) und auch Kulturregeln in Rollenspielen exemplifiziert

–        „Woodstock is coming home!“ Midnight Madness nach einem langen Arbeitstag: Musik, Body-Percussion, Gesang & Jam Session der Teilnehmer auf diversen Musikinstrumenten: einen gemeinsamen Sound finden.

 

 

 

Ergänzend zu den Vortreffen durften unsere Freiwilligen aus den Einsatzstellen mit Mobiler Schule fakultativ an der kreativen Intensiv-Schulung in Leuven (Belgien) teilnehmen (siehe Bilder). Hierbei entstanden keine Kosten.

Vorbereitungsseminar (VBS)

Zentrales Element der Vorbereitung war unser intensives 14- bzw. 15- tägiges Vorbereitungsseminar (VBS). Beginn: Samstag, 23.07.2011, 13:00 Uhr // Ende: Sonntag, 07.08.2011, 13:00 Uhr Ort: Freizeitheim Georgenhof, 72539 Pfronstetten (http://www.freizeitheim-georgenhof.de)
Teilnehmer: 80 Teilnehmer, darunter 15 weltwärts-FW des WLV 301023 und 62 weltwärts-FW des WLV 301183, plus 3 nicht-geförderte Guatemala-FW, sowie unsere Teamer und Betreuer.

 

Unser VBS-Programm steht unter dem Motto „EINE WELT gemeinsam fair-ändern!“ und fordert immer wieder – durch Vorträge, Workshops und Spiele – zum Perspektiven-Wechsel auf. Das inhaltliche Programm besteht weitgehend aus Modulen, die sich bereits in den Vorjahren bewährt haben und von den Teilnehmern als wertvoll zurückgemeldet wurden. In diesem Kontext heißt für uns Qualitäts-Entwicklung: Das Gute behalten, das weniger Gute streichen. Folgende Themenbereiche haben wir beim VBS 2011 mit Vorträgen, Mitmach-Workshops, Rollenspielen, Diskussionsrunden und Kleingruppenaufgaben bearbeitet:

–       Elemente der Selbstklärung: autobiographisches Arbeiten am „Lebensfluss“ nach der fid-Methode in den jeweiligen WG-Gruppen (ein Sich-Bewusst-Machen des eigenen Geworden-Seins, der eigenen Lebens-Themen, der wiederkehrenden Lebensmuster, Hoffnungen, Träume, Ängste, Blockaden und Coping Potentiale)[2]. Zudem boten wir verschiedene freiwillige Gesprächsrunden an, die für einige Neu-FW persönlich sehr akut und relevant waren: z.B. „In einer festen Beziehung in Deutschland – was tun?“ oder „Abschied, Trauer, Tod“ für Jugendliche, die einen geliebten Menschen verloren haben oder Angst haben während des Auslandsjahres zu verlieren (z.B. altersschwache Großeltern oder Mutter mit Brustkrebs).

–       Elemente der Gruppendynamik: Vertrauensspiele, Teambuilding-Aktivitäten und tiefergehende Gespräche in den jeweiligen Länder-Gruppen; Talking Stick, gemeinsame Nacht-Wanderung unter Sternenhimmel, abendliches Musizieren am Lagerfeuer, Aptapi als Symbol des Teilens und der Gemeinschaft; gemeinsames Kochen (in Teams); Ice-Breaker; Sport, humorvolle Fußball- und Volleyball-Turniere in Länder-Teams, sowie Energizer und gruppendynamische Spiele. Zudem durften die FW ein „Motto des Tages“ sowie einen „Verzicht des Tages“ losen und damit bestimmen, was für diesen einen Tag strikt verboten sein sollte: z.B. Kaffee, Schokolade, Fluchen, Duschen, Küssen, etc.  => Ziel: spielerisch den psychologisch so wichtigen Gratifikationsaufschub trainieren.

–       Elemente des Empowerment: Mit diesen Modulen sollten die Freiwilligen Selbstvertrauen tanken und sich ihrer Selbst-Wirksamkeit und ihrer Coping-Potentiale bewusst werden: Survival-Training: In unserem legendären „Bananenspiel“ wurden die FW in Zweier-Gruppen an einem fremden Ort mit einer Banane ausgesetzt und mussten eine ungewohnte, spannend-schräge Aufgabenliste abarbeiten und dann auf eigene Faust zum Seminarort zurückfinden. Auf diese Weise wollten wir ihr Improvisationstalent und ihre Spontaneität schulen und das Meistern völlig fremder und ungewohnter Situationen. So bekamen sie z.B. eine Packung Spaghetti oder eine Brotbackmischung und sollten sich ihr Essen bei wildfremden Menschen in der Küche zubereiten, was eine gewisse Selbst-Überwindung und ein Auf-fremde-Menschen-Zugehen erforderte[3]. Zudem bekamen die meisten eine Banane und sollten diese in mehreren Tausch-Schritten gegen irgendwas Sinnvolles für ihre Projektarbeit hochtauschen. Auf diese Weise erfuhren unsere Jugendliche sehr viel Gastfreundschaft und hatten am Abend unheimlich viel zu erzählen. Weitere Aufgaben rundeten den Survival-Tag ab, z.B. „Lernt wie man eine Ziege melkt!“, „Kommt in einem echten Feuerwehrauto vorgefahren“ oder „Reitet rückwärts auf einem Pferd!“). Zum Seminar-Abschluss bekam jeder sein „Power-Herz“ geschenkt: Ein rot-umrandetes Herz aus Papier, in das alle Mit-Freiwilligen ein paar persönliche und warmherzige Zeilen und gute Wünsche schreiben konnten.[4] Eine positive Gruppen-Dynamik sehen wir als wichtigste Grundlage für die erfolgreiche Gestaltung von FWD im Ausland.

– Elemente der Verantwortungs-Übernahme und Selbstverwaltung: Unsere Freiwilligen sollten früh Ownership-Mentalität und Verantwortungsbewusstsein entwickeln. Dies geschah in der Praxis über mannigfaltige Verantwortungsübernahme und demokratische Entscheidungsfindung („Selbstverwaltung“): Auf diese Weise wurde der FWD  zu „ihrem Ding“. Wir gaben viele Fragen, Themen und Entscheidungen in die Hände der Freiwilligen. Sie wählten ihre jeweiligen Vertreter (5 Jahrgangssprecher, sowie Ländersprecher und Ressortleiter), entschieden gemeinsam über angemessene Verhaltensregeln (z.B. Umgang mit Alkohol, Nachtruhe, Programmelemente). Hier ein paar bildliche Beispiele: Jahrgangssprecherin und weltwärts-FW Mareike Dottschadis moderiert ein Plenum beim VBS, FW David stellt einen Vorschlag zur Abstimmung.

–       Partizipations-Elemente: Plenen (Vollversammlungen), Methode des „Offenes Teams“, allmorgendliche „Stitzungen“ (kurze Programm-Besprechungs-Sitzungen im Stehen); Diskussionsrunden, Abstimmungen, Wahl der Ländersprecher, Wahl der Jahrgangssprecher, Wahl und Gestaltung des Jahrgangs-T-Shirts, Kummerkasten (für zeitnahes, anonymes Feedback), Tagesmotti und selbsterarbeitete Motivations-Kataloge. Zudem hielten wir es für wichtig, dass die Neu-FW nicht nur bedient werden, sondern selbst tatkräftig mit anpackten. Dies schuf eine höhere Identifikation und Wertschätzung für das Geleistete (folglich wurde jeder Teilnehmer gebeten an einem Tag für ein paar Stunden in der Küche zu helfen, z.B. beim Brot).

–       Elemente der praktischen Sozialarbeit: Praktische Tipps der Pädagogik (mit Sozialarbeiter Axel Wiest), Erlebnispädagogik, Einführung in die Mobile Schule[5], praktische Gestaltung von Workshops (samt On-Site-Rehearsal & Feedback), spielerische Alphabetisierung von Kleinkindern (Sabine Gundert), Arbeit mit schwierigen Gruppen, Do´s and Dont´s der Brennpunktsozialarbeit; nützliche Spiele zum Einstieg; Spiele ohne Verlierer; nicht-wertendes Zuhören, etc.

–       Bildungs-Elemente: In diesen Seminarblöcken ging es um die fachliche Fortbildung der Teilnehmer: Es wurden wichtige Grundlagen der jeweiligen Fachgebiete vermittelt, in zentrale Theorien eingeführt und vor allem ein direkter Bezug zum FWD im Ausland hergestellt und in kleinen Spielen und Interaktionen praxisnah ausprobiert oder angewandt: z.B. Grundlagen der Kommunikation I & II (Dr. Johannes Müller), Grundlagen der Pädagogik (u.a. Andreas Hetmanek), zentrale Aspekte der Psychologie (Dr. Albrecht Egetmeyer); Konversations-Sprachkurs mit praktischen Übungen (spanisch/englisch/arabisch), Bewusstmachung der eigenen Stereotype und Vorurteile, sowie unser beliebter Klassiker: „Welcome to Crisis Zone — Wo Lernen geschieht!“ (von Dipl.-Psych. Pablo Schickinger) über Resilienz, Coping-Mechanismen, optimale Lernumgebungen und die drei wichtigsten protektiven Faktoren der seelischen Gesundheit (u.a. eine stabile, supportive Bezugsperson).

–       Elemente der politischen und entwicklungspolitischen Bildung: Seminar, Vortrag und Diskussionsrunde mit Andreas Zumach, UN-Korrespondent und Vordenker der Friedensbewegung (u.a. zu „Friedenspolitik im 21. Jahrhundert: globale Herausforderungen“), Entwicklungshilfe zum Anfassen (mit einer DED-Fachkraft), sowie Theorie und Praxis der internationalen Entwicklungszusammenarbeit.

–       Elemente des wechselseitigen Lernens: Open University, Lernzirkel in Ländergruppen (hier wurde der frische Tages-Input in Kleingruppen verarbeitet), selbst-geschriebene Lernschilder auf jedem Rücken mit Lern-Angeboten und Lern-Gesuchen wie z.B. „Ich will Tango-Tanzen lernen!“; tägliche NAB-Runden (intensive, themenzentrierte Gespräche in Zweier-oder Klein-Gruppen). 

 

– Elemente der interkulturellen Verständigung: Hierzu zählte insbesondere der Zwei-tägiger Intensiv-Workshop „Interkulturelle Kommunikation“ mit Leonel Brug (ehemaliger Chef-Ausbilder für Interkulturelle Kommunikation am Königlichen Institut der Niederlande), sowie interkulturelle Lern-Spiele wie „Bei den Derdianen“ (Kultur-Simulation) und „Salon der Kulturen“, eine Art Mau-Mau-Kartenspiel bei dem sich ohne Wissen der Teilnehmer plötzlich die Spielregeln an unterschiedlichen Spieltischen ändern und damit Kultur-Konventionen wegbrechen (so kann die Karte „As“ für die einen „einmal aussetzen“ und für die anderen „einmal ohrfeigen“ bedeuten, was auf witzige Weise die Verschiedenheit von Kulturregeln illustrieren und sich von Kategorien wie „richtig“ und „falsch“ lösen half und stattdessen das Konzept „regional angemessen“ vermittelte. In diesem Sinne wirkte auch der Trainings-Workshop „Gewaltfreie Kommunikation – Einführung in die GfK“.

–       Informations-Elemente: Workshop zu Hygiene & Gesundheit (u.a. Dr. Richter und Dr. Egetmeyer), „Gefahren-Workshop“, Verhaltensregeln, Informations- und Planungstreffen für die Freiwilligenzeitung. Zudem: Ein Facharzt für Tropenmedizin hielt einen Experten-Vortrag zum Thema „Impfungen und Tropenkrankheiten“ und beantwortete geduldig die Fragen der Teilnehmer (z.B. zu Dengue).

–       Elemente der Horizonterweiterung und des kritischen Denkens: Vortrag zu Critical Whiteness: Kolonisierung und Dekolonisierung von Frau Aretha Schwarzbach-Apithi (mit anschließender Diskussionsrunde). Ebenso zur bolivianischen Geschichte und zur indigenen Cosmovision  (Dr. Carmen Ibanez).

Kreative Elemente: Zauber-Workshop („Kindern ein Lächeln zaubern!“), kreative Gruppeninteraktion („Du und Du“) mit Stockpuppen, die nur gemeinschaftlich zum Leben erweckt werden können (siehe www.dundu.eu von unserem Ex-FW Fabian Seewald),  Theater-Workshop (u.a. von Arne Mannott), praktischer Clowns-Workshop (Humor als Mittel der Sozialarbeit mit Argentiniens berühmtesten Sozialclown Nanny Cogorno, Clowns-Ausbilder von „Clowns ohne Grenzen“, siehe http://www.nannycogorno.com.ar),  Impro-Theater und Dekolonisierung des eigenen Körpers (u..a. mit Theaterpädagoge Nacho Pereyra, von PO COMPA, Bolivien); Grundlagen der Theaterpädagogik (mit Herrn Frommer-Eisenlohr), sowie Freiwilligen-Chor und Rockband, die mit ihren selbstgeschriebenen und umgedichteten Liedern bei der schönen Abschlussfeier für künstlerische Highlights sorgten (hier unsere FW-Band).

– Elemente des Projektmanagements: Hierzu zählten das Selbstverwaltungsprojekt „Freiwilligenzeitung“; die regionalen Themenabende (komplett von FW in Eigenregie umgesetzt, samt Planung und Gestaltung von Programm und Essen), z.B. „Arabic night“ oder „Noche Latina“ – mit anschließender Besprechung der implizit und explizit hervorgerufenen Stereotypen, Klischees und Vorurteilen.

Unsere Palästina-FW gestalteten die „Arabische Nacht“ mit regionalem Essen, Bräuchen, Sitten (alle sitzen auf dem Boden, Frauen getrennt) und Programm (Wissenswertes, Spiele, Musik und Tanz). Unten: Im Rahmen der „Noche Latina“ haben die Freiwilligen eine Wahl zum „Mister Latin Lover“ organisiert (u.a. mit den Disziplinen Tanzen, Flirten, Chili-Schoten-Essen), die unsere „Bilder im Kopf“ veranschaulichen sollten und am nächsten Morgen thematisiert wurden.

– Exkurs in die Welt der eigenen Stereotype, Vorurteile und „Bilder im Kopf“. Es war uns ein besonderes pädagogisches Anliegen für die starken Stereotypen und interkulturelle Vorurteile zu sensibilisieren, die wir alle oft unbewusst in uns und mit uns tragen. In diesem Bereich entstehen oft unzulässige Vereinfachungen und Klischees, die oft Generationen überdauern und viel zu selten kritisch hinterfragt werden. Bevor wir uns also den Kulturen in unseren Gastländern zuwandten, wollten wir uns und unsere (augenscheinlich) eigene Kultur thematisieren und hinterfragen. Dies taten wir in einem – auf den ersten Blick – sehr witzigen, auf den zweiten Blick sehr aufschlussreichen und aufwühlenden „Deutschen Abend“, der vor Klischees nur so triefte: Alles  war genauestens geregelt und folgte strikt den Regeln der deutschen Bürokratie: Zum Essen wurde nur zugelassen, wer einen mehrfach abgestempelten „Nahrungsmittel-Aufnahme-Berechtigungs-Schein“ vorweisen konnte. Hierzu musste jeder etliche Stationen durchlaufen und immer wieder ordentlich Schlange stehen: Jodel-Test, Goethe und Schiller rezitieren, ein Schlager-Lied einüben und aufführen, Biersorte-Erkennungs-Test, Nörgeln, sowie Kehrwoche und Hemden-Falten.

Was ist eigentlich Kultur? Für den „Deutschen Abend“ lautete die schlichte Aufforderung ganz einfach: „Kommt angemessen gekleidet und verhaltet Euch bitte deutsch!“ Wie genau – das blieb jedem selbst überlassen. Es war unheimlich wertvoll, zu erleben, dass so ein banaler Satz ausreichte, um ganz viele schräge Verhaltensweisen und Bilder im Kopf auszulösen: Ordentlichkeit, Seitenscheitel, Spaßbremse, in Reih und Glied, Socken in Birkenstock, Fußball, Trachten, Oktoberfest, Bierzelt-Schunkeln und mit Handtüchern Strandliegen reservieren (wie auf Mallorca). Die Jugendlichen verwandelten den Speiseraum am Abend in ein Festzelt und tanzten auf den Bänken („ein Prosit der Gemütlichkeit!“). Interessant war nun der Abgleich mit unserem tatsächlichen Selbstbild, mit unseren echten Lebensweisen und die spannende Feststellung, dass da kaum Deckungsgleichheit bestand, dass also die Assoziationen und Stereotype auf uns alle eigentlich gar nicht zutreffen; dass wir alle von einem deutschen Kulturbegriff wissen und diesen auch problemlos reproduzieren und ausleben können, der unsere Lebensrealität im Alltag aber überhaupt nicht treffend abbildet. Folglich sollten wir auch bei anderen Kulturen sehr vorsichtig mit gängigen Klischees sein und uns mit jeglichem (Vor-) Urteil sehr zurückhalten („Reserve your judgment!“).

– Elemente der positiven Freizeitgestaltung: Zur Auflockerung gab es während des VBS viele kleine Freizeitangebote: Jonglier-Station (Challenge: Jeder FW muss vor Ausreise mit 3 Bällen jonglieren können), Frisbee, Slackline, Lagerfeuer, Sport, Wizzard, Mörderspiel, Amigo Secreto.

–       Elemente des Selbstmanagements und der Selbstdisziplin: Sehr bewährt hat sich in diesem Zusammenhang die selbst-entwickelte „Zielvereinbarung“, in der jeder Neu-FW sich auf 5 Ebenen seine persönlichen Ziele setzt und diese mit messbaren Meilensteinen fassbar macht. Auch der täglich wechselnde Frustrations-Teufel (rechtes Bild: Lisa mit Teufelshörnern) war eine hilfreiche und witzige Erfindung: Der Frustrations-Teufel hatte nur die Aufgabe, die anderen Freiwilligen auf verschiedenste Weisen zu frustrieren (humorvolles Selbst-Überwindungs-und Frustrations-Toleranz-Training: z.B. „Heute nicht Duschen!“, „Nochmal hinten anstellen!“, „Wechselseitig Zähneputzen“).

–       Selbsterfahrungs-Elemente (nicht esoterisch gemeint, sondern sehr praktisch und funktional-nützlich): So wurden die Freiwilligen, die mit Menschen mit Behinderung arbeiten würden, eingeladen, eine „Behinderung“ für einen ganzen Tag am eigenen Körper auszuprobieren und auf diese Weise die Schwierigkeiten im Alltag hautnah zu erfahren (z.B. erblindet, erstummt, im Rollstuhl oder an Arm und Fuß aneinander gebunden).

Elemente der bewussten und aktiven Abschiedsgestaltung: Unsere Freiwilligen beenden mit dem Beginn ihres Freiwilligendienstes eine wichtige Lebens-Etappe (Schule, behütete Jugend, im Elternhaus leben, Abitur, etc.) und beginnen nun eine neue. Unsere Erfahrung zeigt: Nur wenn sie diesen Abschied sehr bewusst und sehr aktiv gestalten, können sie sich dann auch auf die neue Etappe (als FW im Ausland) richtig einlassen. Deshalb organisieren unsere FW zum Abschluss in Eigenregie einen „Tag der offenen Tür“ und für den letzten Abend des VBS eine schöne Abschieds- und Aussende-Feier, auf der sie feierlich und symbolisch in ihr Einsatzland entsandt werden.

 


—IMAGINE IF:
Initiative Menschen für Ausgleich, Gerechtigkeit, Interkulturelles Lernen, Nachhaltigkeit und Entwicklung durch Internationale Freiwilligendienste

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