Rückkehrer-Projekte

Transfer in die deutsche Zivilgesellschaft: 

Erst durch eine konstruktive „Transfair-Leistung“ und ein zivilgesellschaftliches Anschluss-Engagement in Deutschland bekommen unsere entwicklungspolitischen Freiwilligendienste ihre volle Wertigkeit und ihre moralische Rechtfertigung. Denn ginge es uns nur darum, kleine Sozialprojekte in den Ländern des globalen Südens zu unterstützen, so könnten wir dieses Ziel vermutlich schneller durch eine Spendenaktion erreichen und damit den Projekten ermöglichen, zusätzliche einheimische Fachkräfte anzustellen. Das, was wir mit unserer Freiwilligenarbeit vor Ort an „Gutem“ und „Gemeinwohl“ erreichen, rechtfertigt – isoliert betrachtet – NICHT den hohen Aufwand, den wir dafür betreiben. Es sollte also ein zusätzlicher „gemeinnützigen Mehrwert“ entstehen: Globales Lernen, Völkerverständigung und weiteres entwicklungspolitisches, bürgerschaftliches und soziales Engagement. Dies anzuregen, zu unterstützen und teilweise zu begleiten bezeichnen wir als „Rückkehrarbeit“. Es kommt nicht darauf an, dass sich die Rückkehrer direkt bei uns (WI) engagierten, sondern darauf, dass sie sich überhaupt irgendwo engagieren, unabhängig von Ort, Institution und Art des gesellschaftlichen Engagements. Etwa 90% der Rückkehrer tragen sich auf mindestens einem unserer Aktions-Verteiler für Anschluss-Engagement ein, z.B. in den Arbeitskreisen „AK Auswahl“ und „AK Vorbereitung“, aber auch zu schwierigen Themen mit gesellschaftspolitischer Relevanz, z.B. im „AK FLUMI“ (Flucht und Migration) und AK Postwachstum. Wir stellen über unsere Verteiler viele nützliche Ressourcen zur Verfügung und verweisen auf Termine, Weiterbildungsmöglichkeiten (Civil Academy, ASA, WIND, EPN, W3) und Bildungsmaterialien (z.B. http://www.globaleslernen.de). Zudem helfen wir, wenn Rückkehrer sich mit einem Thema vertieft beschäftigen wollen, z.B. in einem zwei-tägigen Anti-Rassismus-Training für rund 20 Rückkehrer.

Es sind zahlreiche tolle Projekte entstanden, u.a. auch mehrere gemeinnützige Vereine, gänzlich eigenständig und unabhängig von uns.

Die folgende Auflistung gibt einen Überblick über die Aktivitäten der Rückkehrarbeit, die durch unsere Freiwilligen nach Dienstende durchgeführt wurden:

1.)  Welt-weiter-Denken e.V. (www.weltweiterdenken.de): ist eine offene, gemeinnützige Plattform für Vernetzung und Engagement, die von unseren Rückkehrern mit Leben gefüllt wird (vormals Ehemaligen-Initiative e.V. genannt). WWD organisiert in Kooperation mit unserer Initiative die Regionalgruppen (früher „WIR“ = WI Regionalgruppen).

2.)   Gründung von Augenhöhe e.V.: Mehrere unserer Rückkehrer aus Nahost (u.a. Jana Ehret, Jessica Hentschel, Anne Kretzschmer und Matthias Hinkelmann) haben einen kleinen, unabhängigen, gemeinnützigen Verein (Augenhöhe e.V.) gegründet, der Reverse-Freiwilligendienste und Friedensdienste in Nahost – einer Einsatzregion, die WI auf absehbare Zeit nicht mehr weiterführen wird – ermöglichen will. Ganz stark: Aktuell leistet eine erste Jugendliche aus Palästina ihr FSJ in Heidelberg. Sehr wichtig, dass internationale Freiwilligendienste nicht nur eine Einbahnstrasse von Deutschen ins Ausland sind, sondern auch von ausländischen Jugendlichen in Deutschland. Ein tolles Vorhaben von Rückkehrern! (siehe http://augenhoehe-ev.de)

3.)    BECAMINO e.V. (www.becamino.de) ist ebenfalls ein von uns unabhängiger, gemeinnütziger Verein, der von unseren Rückkehrern aus verschiedenen Jahrgängen gegründet wurde. Becamino (ein Wortspiel aus Beca = Stipendium und camino = Weg) will benachteiligten Kindern aus den Armenvierteln einzelner Einsatzländer mittels Bildungsstipendien beim Weg aus der Armut konkret und individuell helfen – und Bewusstsein und Unterstützung in der deutschen Öffentlichkeit hierfür schaffen. Für uns ein vorbildliches Beispiel, wie Rückkehrer zwar nicht „die Welt verändern“, aber doch die vielen kleinen Welten von vielen einzelnen Jugendlichen in Ländern des globalen Südens

4.)    Ideen3 – Raum für Ideen e.V. wurde auch von WI-Ehemaligen und Rückkehrern (mit-)gegründet und aufgebaut (http://www.ideenhochdrei.org/de). Durch ihren FWD inspiriert, begannen mehrere Ehemalige sich als „Bildungsagenten“ zur Verfügung zu stellen und mit Schulklassen interessante Projekte bzw. Projekt-Tage zu gestalten. Erfolgreich waren auch die Projekte „Tag der Ideen“ (eine Plattform, mit deren Hilfe Jugendliche ihre Ideen ein ganzes Wochenende lang einer interessierten Öffentlichkeit vorstellen und mit dieser gemeinsam konkret weiterentwickeln können, siehe www.tagderideen.de) und „Ideen erfahren“ (eine jährliche Bildungs-Fahrrad-Tour mit täglichem Besuch von innovativen Projekten und Unternehmen im Kontext von ökologisch-ökonomischer Nachhaltigkeit, siehe www.ideen-erfahren.de). Letzteres versucht Körper und Geist gleichermaßen anzusprechen, da die Erfahrung (nota bene: Er-Fahr-ung) zeigt, dass beim gemeinsamen Sport die besten Ideen entstehen bzw. er-fahr-en wereden können.

5.)  Ein wunderbares Sportsozialprojekt haben unsere Ehemaligen Manuel und Jose während ihres Freiwilligendienstes im Armenviertel von Santo Domingo aufgebaut. Mittels Sport werden Kindern Werte wie Fairness, Respekt, Teamgeist, Sportsmannship, Geduld und Perspektivenwechsel vermittelt. In der ganzen Dominikanischen Republik findet sich kein vergleichbares Projekt. http://www.cafeconleche-vk.de/   

6.)  MIR e.V. – Miteinander In Russland: http://mir-ev.eu wurde von unseren ehemaligen Russland-Freiwilligen gegründet und kümmert sich mit viel Engagement darum, dass auch in Zukunft Jugendliche einen Freiwilligendienst in Russland leisten können (im Rahmen des Europäischen Freiwilligendienstes).

7.)    Ein Klassiker der Rückkehrarbeit ist mittlerweile das jährliche Ehemaligentreffen mit einwöchiger Ideen-Werkstatt. Diese  wurde komplett in Eigenregie von Rückkehrern geplant und umgesetzt.

8.)    AK Erlebnisschlafen — eine witzige und sehr beliebte Gaga-Idee von unseren Rückkehrern: Jugendliche schlafen gemeinsam an ungewohnten Orten. Neben dem Spaß und dem wechselseitigen Kennenlernen geht es auch darum, dem Trend zur Individualisierung und Virtualisierung etwas Lebendiges und Gemeinsames entgegenzusetzen und öffentliche Räume wiederzuentdecken und wiederzugewinnen: Reclaim public space and nature! 

9.)    Jugend- und Kulturprojekt „Die Blaue Blume“. Unser Rückkehrer Jakob Wirth gründete in Friedrichshafen ein interessantes Jugend- und Kulturhaus, in dem er auch viele Erfahrungen aus seinem FWD in Santa Cruz weitergeben möchte (siehe Zeitungsartikel).

10.)    Unsere lesenswerte Freiwilligenzeitung „Wortwechsel Weltweit – eine andere Perspektive“ (www.wortwechsel-weltweit.de) wurde und wird ebenfalls sehr stark und sehr gewissenhaft von unseren Rückkehrern am Leben gehalten (z.B. von Rückkehrer Jakob Keienburg, Peter Gericke, Che Backhaus). Zwar werden die allermeisten Artikel (bis auf das Vorwort) von jeweils aktuellen Freiwilligen im Ausland geschrieben, aber das Projekt wird ganz entscheidend von ehemaligen Ressortleitern getragen, die viel Zeit, Energie, Arbeitskraft und Kompetenz in diese Zeitung als „ihr Baby“ stecken. Für Koordination, Design, Layout und einen drei-stufigen Korrektur-Prozess werden in jede Ausgabe etwa 200 Arbeitsstunden ehrenamtlich investiert. Wir finden die „Wortwechsel Weltweit“ eine tolle Plattform für Perspektiven-Wechsel und Multiplikatorenarbeit (jede Ausgabe erreicht oft über 2000 LeserInnen).

11.)  Ebenfalls aktiv wurden die Rückkehrer innerhalb unserer Initiative selbst, insbesondere in den Arbeitskreisen AK Auswahl und AK Vorbereitung.

12.) Mobile School Worldwide. Rückkehrer organisierten für interessierte Jugendliche einen MS-Workshop, damit die schönen Ansätze und Ideen der Mobilen Schule auch bei uns weitere Verbreitung finden. Zudem sorgten sie dafür, dass sdas Projekt Chavaladas (in Leon) auch eine Mobile Schule aus Belgien geschenkt bekommt. 

13.)  Rückkehrer-Vorträge und Bilder-Präsentationen. Bereits vor Ausreise wurde das Ziel vereinbart, dass jeder FW nach Dienstende möglichst 4 Multiplikatoren-Vorträge bzw. Workshops (z.B. für Schulklassen) machen sollte. Diese sollten eine ehrliche, kritische und differenzierte Betrachtung auf das Jahr und Einblicke in die Lebensrealität der Menschen im Einsatzland, sowie auf bestimmte Aspekte (z.B. Kinderrechte in Nicaragua) oder auf globale Zusammenhänge (Konsumnachfrage und Lebensbedingungen der Arbeiter im Ausland) ermöglichen. Wir gehen (bei einer konservativen Schätzung mit einer Compliance-Rate von 50%), von  über 100 Rückkehrer-Veranstaltungen vor Schulklassen pro Jahr aus.

14.)    SUMU – der Hit! Ein großer Erfolg waren die regionalen Vernetzungstreffen mit SUPPE und MUSIK (SUMU). Hier trafen sich die frischen Rückkehrer in deutschen Uni-Städten mit Alt-Ehemaligen (viele davon waren ebenfalls weltwärts) zum Erfahrungsaustausch, In-Erinnerungen-Schwelgen und gemeinsamen Vernetzen. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass dieses Ehemaligen-Netzwerk unheimlich wichtig und für die Rückkehrer sehr wertvoll und inspirierend ist. Wird diese Grundlage erst einmal gelegt, so gehen aus den Treffen viele gute Ideen und gemeinsame Aktionen hervor (auch engagierte Vereinsgründungen, siehe unten). Die Teilnahme an diesen SUMUS war so gut, dass die Rückkehrer beschlossen, sie jedes Semester zu wiederholen. Es fanden SUMUS in Würzburg, Marburg, Witten (NRW), Hamburg, Dresden, Leipzig, Jena, Berlin und Freiburg statt.